In dem Moment, wo Sie denken, Sie sind unterwegs zum Strand, können Sie dem Sirenengesang der Schnäppchenanbieter nicht widerstehen und fahren stattdessen landeinwärts zu einem sonnenverwöhnten Fleckchen Erde, wo Sie umsonst parken können, freien Eintritt haben und je nach Ihrem Verhandlungsgeschick eine Menge hochwertiger Waren oder auch allerlei Krimskrams zu Spottpreisen erstehen.
Von Barbiepuppen über gebrauchte Tischkreissägen bis hin zu Zahnpastatuben können Sie hier alles bekommen. Der Fort Lauderdale Swap Shop zählte schon lange vor dem Aufkommen von Online-Versandhäusern und Turbulenzen in der Wirtschaft zu den größten Touristenattraktionen Floridas. Im 16.720 m² großen Einkaufs- und Freizeitcenter können Sie ein Album von Carly Simon Hotcakes für zehn Cent, Kleidung für ebenfalls zehn Cent das Stück (ein Dutzend Teile gibt’s für einen Dollar), Arbeitshosen für unter zehn Dollar oder 30 Räucherstäbchen mit Mangoduft für ein paar Dollar erstehen. Immaterielle Belohnungen? Der Preis für Hellsehersitzungen ist verhandelbar, aber 15 Minuten Glückseligkeit im Chinese Backrub Booth kosten 15 $. Während Sie warten, können Sie sich bei einem nahe gelegenen Schneider einen Anzug anfertigen oder Änderungen an Ihrer Kleidung vornehmen lassen. An einer kleinen Mittelstraße mit einem Karussell in der Nähe des Fußgängerübergangs über den Sunrise Boulevard befindet sich ein riesiger Kinokomplex mit Restaurants, aus denen ein verführerischer Duft zieht. Sie können hier bis in die späten Abendstunden verweilen, um Filme wie das Texas-Kettensägenmassaker (Texas Chainsaw Massacre) im Swap Shop Drive-In zu sehen, das mittlerweile über 15 Leinwände verfügt.
Der Fort Lauderdale Swap Shop wurde 1963 von Betty und Preston Henn gegründet. Ursprünglich befand sich hier lediglich das Thunderbird, eines von zur damaligen Zeit in Amerika allgegenwärtigen Autokinos. Im Jahr 1966 begann Preston Henn, ein bluejeanstragender Power-Börsenmakler aus Broward County, Wochenendflohmärkte auf seinem Grundstück zu organisieren, wobei ihm die in Kalifornien abgehaltenen Trödelmärkte als Vorbild dienten. Während viele Autokinos aus finanziellen Gründen geschlossen werden mussten, konnte er das Thunderbird dank der Einnahmen aus dem Swap Shop halten. Dreizehn Jahre später eröffnete Henn eine Open-Air-Restaurantmeile mit Geschäften, die von mittwochs bis sonntags ihre Waren feilboten. Im Jahr 1988 wurde aus dem Open-Air-Kulinarium eine überdachte Passage mit Klimaanlage und einer Bühne, auf der Bands aus der Umgebung ihre Musik gratis zum Besten gaben. Als Nächstes kam der Hanneford-Familienzirkus (Hanneford Family Circus) auf das Areal, der auch heute noch täglich mehrere Vorstellungen gibt. Im Jahr 1990 eröffnete Ronnie Milsap die inzwischen zur Tradition gewordene Reihe von kostenlosen Konzerten. Der Rest ist bekannt: Schnäppchenjäger und Liebhaber von Autokinos prägen tagaus, tagein das Geschehen.
Henn, ein gut aussehendes Schlitzohr von mittlerweile über 70 Jahren, sorgte 2005 für Schlagzeilen, als er und ein Pächter sich eine Schlägerei lieferten, der die Hilfssheriffs von Broward County nur mithilfe von Elektroschockwaffen Einhalt gebieten konnten. Henn schlug mit einer Werbekampagne zurück, in der er mit einem Augenzwinkern darauf hinwies, dass die Preise im Swap Shop so verrückt und wahnsinnig niedrig wären, dass jetzt schon die Polizei mit Elektroschockwaffen auf ihn schießen müsste. Nicht so verrückt ist die Tatsache, dass dieses „Geschäft“ jährlich mehr als zwölf Millionen Besucher anlockt.
Tri-Rail unterhält einen Shuttleservice, der an Samstagen von Haltepunkten in den Countys Broward, Palm Beach und Dade zum Swap Shop fährt. Darüber hinaus arrangieren auch einige Hotels einen Transfer. Der Fort Lauderdale Swap Shop liegt zwischen der Interstate 95 und Floridas Turnpike.
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