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Boston

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Boston Reiseartikel

Wer war Paul Revere? (1) Ein Patriot, dessen nächtlicher Kurierritt zum Ausbruch des Unabhängigkeitskriegs führte? (2) Ein Teilzeit-Zahnarzt? (3) Ein Silberschmied, der Teeservices herstellte? (4) Ein Drucker, der die ersten Geldscheine des Staats Massachusetts druckte? (5) Ein talentierter Metallurg, der Kanonen und Glocken goss? Die richtige Antwort lautet: Alle genannten Antworten! Aber dieser Held des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs war mehr als das: Glöckner in der Old North Church, Gründer des immer noch nach ihm benannten Kupferwalzwerks, und nicht zuletzt Vater von 16 Kindern.

Obwohl sich sein Leben über acht Jahrzehnte erstreckte (1734-1818), ist Revere vor allem durch die Nacht des 18. April 1775, in der er zu Amerikas bekanntestem Kurierreiter wurde, bekannt. „Listen, my children, and you shall hear / Of the midnight ride of Paul Revere" (Hört zu, meine Kinder, und ihr werdet erfahren vom mitternächtlichen Ritt des Paul Revere): Dies sind die ersten Zeilen des Gedichts von Henry Wadsworth Longfellow, das jedem Amerikaner ein Begriff ist. Longfellow hat in seinem Gedicht Revere unzweifelhaft zu Ruhm verholfen, aber historische Genauigkeit war seine Sache offensichtlich nicht.

Denn Revere war nicht der einzige Kurier in dieser Nacht. Bei der von Revere und William Dawes Jr. erarbeiteten Strategie wurde in Boston mindestens ein Dutzend weiterer Reiter ausgesendet, damit die Gefangennahme eines Kuriers nicht dazu führte, dass die anderen Städte nicht alarmiert wurden. Außerdem steht fest, dass Revere nicht nach dem Laternensignal aus Charlestown Ausschau hielt. Er beauftragte Robert Newman damit, zwei Laternen im Glockenturm der Old North Church aufzuhängen, da die Briten zu Wasser angriffen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Revere bereits auf dem Charles River, wo sein bekannter Ritt begann.

Revere und Dawes nahmen unterschiedliche Routen, doch sie hatten das gleiche Ziel: die führenden Unabhängigkeitskämpfer Samuel Adams und John Hancock zu warnen, dass die britische Armee sie zu inhaftieren beabsichtigte, und gleichzeitig die Einwohner vom Vormarsch der Briten in Kenntnis zu setzen. Dabei verkündeten sie den britischen Angriff aus Sicherheitsgründen nicht lauthals in den Straßen. Und der bekannte Warnruf „Die Briten kommen!“ kam ihnen ebenfalls nicht über die Lippen, da die Bostoner sich selbst noch als Briten betrachteten. Als Revere einige Minuten nach Mitternacht das Haus von Adams und Hancock erreichte, wurde er von einer Wache aufgefordert, nicht so einen Lärm zu verursachen. „Lärm!“, antwortete Revere darauf. „Ihr werdet schon bald viel Lärm haben.“

Entgegen Longfellows Schilderungen konnte Revere die Einwohner von Concord nicht warnen, da er auf dem Weg dorthin festgenommen wurde. Er wurde von der britischen Patrouille angehalten, befragt und schließlich freigelassen, jedoch ohne Pferd, sodass er zu Fuß nach Lexington zurückkehrte und somit noch Zeuge der Schlacht bei Lexington Green wurde.

Ganz unabhängig von der historischen Genauigkeit ist das Gedicht ein fester Bestandteil des kollektiven amerikanischen Gedächtnisses geworden. Die Amerikaner sind ganz vernarrt in die Anekdote, dass Revere seine Sporen vergaß und daher am Halsband seines Hundes einen Zettel befestigte und auf seine Rückkehr mit den Sporen wartete. Auch sein vermeintlicher Ideenreichtum ist Stoff von Legenden: So soll Revere das Geräusch der Riemen seines Boots bei der Fahrt über den Charles mit einem Unterrock gedämpft haben ... Es ist kein Wunder, dass diese Geschichten in den Herzen und der Vorstellungskraft der US-Bürger ganz oben rangiert. An jedem dritten Montag im April, dem Patriots' Day, wird auf den Straßen Bostons der Ritt von Paul Revere unter dem Beisein tausender Schaulustiger nachgestellt.




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