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Charleston

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Charleston Reiseartikel

Sehr leicht entsteht der Eindruck, Charleston sei ein in Pastelltönen gehaltener fiktionaler Ort. Aber schauen Sie sich die aus der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs stammenden Bilder der Battery-Herrenhäuser an der East Bay Street an, heute eines der meistfotografierten Viertel der Stadt, und Sie erkennen hier und da noch die Spuren des Kriegs. Die nach dem Bürgerkrieg einsetzende Armut machte es der Bevölkerung im ausgehenden 19. Jahrhundert sowie zu Beginn des 20. Jahrhunderts unmöglich, neue Häuser zu bauen. Das Geld reichte lediglich für die notwendigsten Reparaturen.

In den 1920er Jahren war es dem Einsatz der Gemeinde zu verdanken, dass die alten Häuser nicht abgerissen wurden. Laut Jonathan Poston, dem Autoren des Buchs „Buildings of Charleston“ (Gebäude von Charleston), formierte sich der Widerstand der Bürger, als das Joseph-Manigault-Haus (Joseph Manigault House) einer Esso-Tankstelle weichen sollte. Die Bürger gründeten die Gesellschaft zur Erhaltung Historischer Wohnhäuser (Society for the Preservation of Old Dwellings), seinerzeit die erste ihrer Art in den USA, und retteten das Haus, das heute ein gut besuchtes Museum ist. Im Jahr 1931 nahm der Stadtrat von Charleston eine nationale Vorreiterrolle ein, als dieser das Board of Architectural Review (BAR) gründete und beschloss, das historische Viertel vor Bausünden zu bewahren. Genau 16 Jahre später wurde mit der Gründung der Historic Charleston Foundation die Erhaltung historischer Architektur im Gesetz verankert.

Halten Sie auf Ihrem Rundgang durch Charleston Ausschau nach den Einzelhäusern: Diese Häuser umfassen nur ein einziges Zimmer und wurden mit der schmalen Seite zur Straße und mit einer nach Süden oder Südwesten angelegten Veranda – oft auch Piazza genannt – gebaut, um von der hier vorherrschenden Brise zu profitieren. Die kühlen Luftzüge zogen über die schattige Veranda und durch die geöffneten Fenster in das Haus. An der nördlichen Wand eines Einzelhauses, d. h. an der Wand gegenüber dem Nachbargarten und der Piazza, sehen Sie nur wenige Fenster, die noch original aus der Erbauungszeit des Hauses stammen. Diese sind dem Wunsch nach mehr Privatsphäre zum Opfer gefallen.

In den restaurierten Vierteln von Charleston finden sich zahlreiche Spuren der Vergangenheit. An vielen Häusern sind Gedenktafeln mit geschichtlichen Details aufgestellt. Andere Häuser wurden aufgrund der herausragenden Restaurationsarbeit mit dem Carolopolis Award ausgezeichnet. Hinweisschilder von historischen Feuerversicherungen sind hingegen seltener. Sie geben den Namen des Unternehmens an, das den Versicherungsschutz für das Haus gewährleistete und im Bedarfsfall den Brand gelöscht hätte. Beachten Sie die Bolzenköpfe und Dichtungen, die die Fassaden der Häuser entlang der Battery zieren. Einige sind sternenförmig, andere sind mit Löwenköpfen versehen. Damit konnten absinkende Häuser aufgerichtet werden, wenn sie mit einer Kurbel unter den Dielen stabilisiert wurden.

An den zur Straße gelegenen Marmor- oder Steinplatten wurden seinerzeit Pferde angebunden, und noch heute befinden sich im Bürgersteig Schuhkratzer neben den Eingangstüren vieler Häuser. Achten Sie auf die spitzen Eisenstifte, die einige Eingangstore, Türen, Wände und Fenster schmücken. Die meisten dieser so genannten cheveux de frise (Wuschelköpfe), die damals übrigens den gleichen Zweck wie heute der Stacheldraht an Gefängnissen erfüllten, wurden nach einem Sklavenaufstand im Jahr 1822 angebracht, um Einbrüche oder Fluchten zu erschweren.




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